Diese Frage stellt sich David Gurteen in seinem aktuellen Gurteen Knowledge-Letter: Issue 107 – May 2009. Er zeigt sich regelrecht schockiert, wenn er Menschen trifft, die sich der Nutzung von Social Software verschliessen bzw. dafür keine Zeit finden:
“And I am surprised at just how many people especially knowledge managers are not using social tools (not necessarily internally but on the web for personal use) and consequently do not really understand their power as knowledge sharing and informal learning tools.”
und er setzt fort:
“I think that many people are so busy they have got out of the habit of informal learning – maybe they never got into it. Its not seen as a priority. So can I make a suggestion – if you are one of those people who are not keeping up with your with new developments and thinking in your field of endeavour then take a few minutes to think about how important is it to you compared with everything else that you do. And if you decide it is important then commit to doing it. Start to use social tools as learning tools. Put aside a little time each day or each week to learn in what ever way works best for you :-)”
… ich denke, David ist – wie die meisten in meinem “KM Umfeld” – der Realität mehrere Schritte voraus. Social Software – das sind und bleiben weiterhin Tools. Und der Mensch – als Wissender (!) – geht in der entflammten Web 2.0 Euphorie wieder ein Mal verloren.
Lernen sowie Wissenskommunikation setzen bestimmte Fähigkeiten, Kompetenzen und Rahmenbedingungen voraus, die nicht im Web 2.0 zu suchen sind – sondern den Menschen beizubringen, zu erklären sind. Was nützt einem Twitter oder RSS-Feed, wenn er/sie sich nicht ein Mal für die Tätigkeit einer anderen Abteilung in seiner/ihrer Firma interessiert? Was kann man schon aus der Informationsflut des Mach-Mit Webs an Wissen gewinnen, wenn er/sie nicht ein Mal die Prozesstrukturen des eigenen Unternehmens verstehen/überblicken kann? Das sind Alltagserscheinungen, die ein klare Grenze zwischen Information und Wissen zeichnen.
Social Tools – sind wichtige Werkzeuge, die nur bei richtiger Anwendung und klarer Zielsetzung ihre Kraft entfalten können. Und da sind wir wieder bei Menschen. Meiner Ansicht nach müssen noch einige Schritte in die Richtung getan werden – insbesondere auf der Ebene der Fähigkeiten und Kompetenz. Wir dürfen nicht noch ein Mal den Fehler machen und die Menschen vergessen. Denn anderenfalls drohen die Social Tools uns in der Informationsflut zu begraben und alte Wunden aufzureißen (Vorgänger-Generation von KM).
Einige aus meinem Bekanntenkreis – und darunter auch richtige Web 2.0 Nerds – haben bereits präventive Maßnahmen ergriffen. Und die Lösung heißt: “Weniger ist Mehr!”. Und siehe da – ein lockeres Mitarbeitergespräch beim Kaffee-trinken hat viel mehr gebracht, als wochenlange “Twittereien” und lähmende Blogeskapaden. Mehr Zeit zum Nachdenken und Reflektieren (und nicht ständig Blogs, Tweets etc, reinsaugen) hat zum besseren Verständnis und zum neuen anwendbaren (!) Wissen geführt. So kann’s auch gehen! Und das zeichnet – meiner Meinung nach – das Wesen von Wissen aus.
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