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Web Monitoring

Debatte zur Beziehung “Information - Wissen”

Wer in der XING-Gruppe “Wissensmanagement” ins Forum schaut, der wird an der Diskussion zur Beziehung “Information - Wissen”, die in den letzten Wochen wieder entflammt ist, nicht vorbei kommen. Eigentlich war die Absicht des Threads eine klare und einheitliche Definition für WM zu finden, die Bemühungen scheinen an dem wunden Punkt des WM zu scheitern.

Die intensive und inhaltsreiche Unterhaltung ist absolut lesenswert.

Ich möchte besonders auf den Beitrag von Stefan Hauptmann (TU Chemnitz) hinweisen. Er trifft m. M. genau den Punkt, indem er die Trennung in zwei Lager vollzieht: zwischen dem natur- und ingenieurwissenschaftlich geprägten WM Verständnis einerseits, und geistes- und sozialwissenschaftlich geprägten WM Verständnis andererseits. Hier der gesamte Beitrag als Copy&Paste, sorry keine Zeit zum Resümieren ;)

Meine Damen und Herren,

wir müssen hier nicht nochmal eine akademische Debatte führen. Wer im Web nach dem String “wissen und Information” sucht, wird ganze Bibliotheken über das Verhältnis beider zueinander finden.

Die Quintessenz all dieser Debatten liegt meiner Meinung nach noch immer in der Opposition von natur- und ingenieurwissenschaftlich geprägtem Verständnis einerseits, und geistes- und sozialwissenschaftlich geprägtem Verständnis andererseits.

Hierzu einige Anmerkungen.

Das Paradigma des Ersteren ist noch immer: Wissen ist etwas, das durch Maschinen geordnet werden kann und Menschen, die dieses abrufen, stehen nur insofern zur Debatte, dass sie die Informationen alle in gleicher Art und Weise abrufen. Das ist falsch.

An den vielen hochinteressanten Wahrnehmungscharakteristika des Menschen scheinen dabei überhaupt nur wenige Interesse zu zeigen. (übrigens der Grund, wieso im Wesentlichen nur Apple, die wirklich aus der Wahrnehmungsforschung lernen und lernen WOLLEN, brauchbare Bedienkonzepte für IT hervorbringen).

Ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Umgang mit meinem Rechner:

In Ermangelung von IT, welche die Möglichkeiten der menschlichen Warhnehmung nutzt, verwandele ich für mich mit Bordmitteln von Windows meinen eigenen Windows-Explorer in ein Wissensmanagent-System, das wirklich mit den Wissensattributen spielt, die ich für wichtig erachte - und die weitgehend vernachlässigt werden.

Wisst ihr, was ich tue? Ich färbe Ordner ein, gebe ihnen unterschiedliche Icons und verhelfe so meiner Wahrnehmung, vermittels Assotiationen, Relationen, Ähnlichkeitswahrnehmungen schnell Ordnung zu finden.

Dabei kommt mir z.B. auch das menschliche Wahrnehmungsfeature zugute, das man an das Eine denkt, und einem dabei etwas Anderes ebenfalls ins Auge fällt. Vielleicht hat das jeder schon erlebt, wenn ihm ein vertrauter, aber lange nicht gerochener Geruch in die Nase steigt, und er sich daraufhin an eine Episode in der Kindheit erinnert. Das kann man getrost ein menschliches Wahrnehmungsfeature nennen und es kann auch technisch genutzt werden, eben mit solchen Icons.

Wir sollten ein neues Fach einführen: Bionic IT (oder so ähnlich)

Ein für die Schaffung von Ordnung ganz wichtiges Attribut von Dateien ist deren Erstellungsdatum. Dateien, die ich selbst erstelle, tue ich in der Form <2008-05-16_…>. Das Erstellungsdatum ist ein wunderbares Ordnungsinstrument. Eigentlich kann es technisch genutz werden, aber niemand tut es.

Eine weitere Idee:

Hätte ich die Muße, mir etwas zu programmieren, ich würde die Ordner automatisch einfärben lassen, und zwar mit verschiedenen Farben: z.B. je röter, je öfter ein Ordner geöffnet wird; je blauer, je aktueller die Dateien darin sind, etc. etc, der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Und wenn man nun auch nach diesen Merkmalen suchen und sortieren kann: a hell of a systematic arrangement.

Das sind alles ganz einfache Sachen, die sich ohne großen Aufwand bereits unter Win 3.1 hätten verwirklichen lassen. Aber was haben sie mit Wissensmanagement zu tun?, werden einige fragen. Diese kleinen Sachen machen sich die natürliche AKTIVITÄT den Menschen bei der Informationssuche zunutze. Diese Suchaktivität, die nie abwesend ist, geschieht vor dem Hintergrund seiner Motive, etwas finden zu wollen, seiner Vorkenntnisse, ja sogar seines kulturellen Backgrounds

Also müsste es auch neben bionic IT eine cultural IT geben.
Und von hier aus kann man ins ganz große Feld des Wissensmanagements fortschreiten.

Denkt einmal an Datenbanken, die informieren sollen. Denkt daran, dass im Grunde auch Spiegel-Online eine Datenbank ist. Niemand käme allerdings auf die Idee, den Inhalt in eine Excel-Tabelle zu packen - obwohl der Informationsgehalt (vordergründig) der gleiche wäre.

Denkt an Organisationen oder Unternehmen, in welchen Wikis eingeführt werden. Da wird dann einfach gesagt: “Nun schreibt mal”, und niemand tut es. Formularartige Einstiege können helfen und 1000 Sachen mehr. Und wer überlegt schon, dass Blogs in Unternehmen auch nach hinten losgehen können. Denn diese Art der Äußerung eigener Befindlichkeiten ist eigentlich garnicht erwünscht - schreit geradezu nach Aufmüpfigkeit.

Etwas gewitztere Wissensmanager habe carot-stick-Methoden, um die Mitarbeiter zur Wissensmanagement-Mitarbeit zu bewegen: Speisepläne, Flohmärkte, Mitfahrbörsen etc. ziehen die MA auf das Portal.

Aber das hängt alles von der Gewitztheit Einzelner ab. Würde man den sozial- und kulturwissenschaftlich orientierten Leuten mehr Vertrauen entgegenbringen, die IT der Zukunft wäre eine gänzlich andere - eine bessere.

Und noch etwas: Eine Software zu installieren, sei sie noch so gut und benutzerfreundlich, führt das Wissensmanagement noch lange nicht zum Erfolg. Der Kampf gegen das etablierte System muss trotz allem auf sich genommen werden. Einem Wissensmanager wird man auch in absehbarer Zukunft nich in die Arme fallen und ihm Dank zollen, dass er alle Mitarbeiter dazu “gezwungen” hat, zukünftig anders zu arbeiten, als sie es in der Vergangenheit getan haben.

Soweit für heut’

SH

QUELLE:


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Maxim Grouchevoi

Von: Maxim Grouchevoi
hat insgesamt 4 Artikel auf Wissensmanager.Blog publiziert.

Info: Postgraduate an der Donau-Universität Krems im "Wissensmanagement und Organisationsentwicklung"

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